Gaspreise: Es besteht akuter Handlungsbedarf
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Im März 2025 sind die Gasspeicher in Deutschland auffallend leer, was der Branche enorme Probleme bereitet. Weshalb? Das belegt ein Artikel im „Spiegel„.
Die Heizperiode ist nahezu vorbei, die Temperaturen erhöhen sich so langsam. Das ist die frohe Botschaft. Denn momentan sind die Gasspeicher lediglich noch zu fast 32 Prozent aufgetankt. Demgegenüber steht der Mittelwert (2017 – 2021) bei fast 41 Prozent.
So sind die Gasspeicher in Deutschland befüllt

Billige Einkäufe im Sommer – das ist vorbei
In den letzten Jahren hätte dieser Umstand keine großen Schwierigkeiten verursacht. Denn ein Großteil der Stadtwerke sehen derartige Entwicklungen voraus und schaffen eigentlich im Frühjahr/Sommer Erdgas an, wenn die Preise* vielmehr billiger sind.
Dadurch befüllen sie ihre Gasspeicher frühzeitig zu billigeren Einkaufsbedingungen. Im Einzelfall ist der Preis für Erdgas fernab der Heizperiode um 6 Euro pro MWh billiger als während der Periode.
Jetzt zeigt sich aber zusätzlich eine eher ungewöhnliche Fortentwicklung auf dem Gasmarkt: Denn jetzt erhöhen sich die Gaspreise nach der Heizphase abermals.
Und das hält etliche davon ab, augenblicklich die Gasspeicher für den Winter 2025/26 aufzufüllen. Spätestens dann könnte das Abwarten der Beteiligten für die Konsumenten in Deutschland gefährlich werden.
Gleichwohl die Menge in Betrieb befindlicher Gasheizungen* in Deutschland zurückgeht, gibt es nach wie vor zahlreiche Haushalte, die eine Gasheizung betreiben.
Dabei sind private Haushalte nicht die Alleinigen, die von der eventuellen Gasmangellage betroffen werden: Ebenfalls die Gaskraftwerke und die Chemieindustrie, die mittels Erdgas Strom* produzieren, könnten unter den nicht genügend betankten Gasspeichern enorm leiden.
Deutschland erwartet Milliardendefizit
Sollte sich die Lage nicht wandeln, kommen auf die Wirtschaft, den Konsumenten und der Industrie enorme Kosten zu, informiert der „Spiegel“.
Dadurch würde Deutschland zu guter Letzt eine bedeutsame EU-Richtlinie nicht erreichen: Die EU hatte aufgrund der Energiekrise (2021) dann in 2022 vereinbart, dass die Gasspeicher der entsprechenden Mitgliedstaaten bis November alljährlich zu wenigstens 90 Prozent aufgetankt sein müssen.
Kann das nicht erreicht werden, muss zusätzlich teures Gas dazugekauft werden. Im Notfall auch vom Staat. Bereits 2022 hatte die Trading Hub Europe (THE) im Namen der Bundesregierung für rund 8,7 Milliarden Euro Erdgas angeschafft.
Und alles nur, um eine Mangellage in der Gasversorgung zu umgehen. Der nachträgliche Abverkauf bewirkte aber ein Milliardenefizit (6,3 Milliarden Euro) und belastet die Steuerzahler und den Bundeshaushalt.
Besonders extrem trifft es aber alle, die Erdgas verwenden – nämlich über die Gasspeicherumlage. Sie wurde 2022 eingerichtet und stand bei 59 Cent pro MWh.
Mittlerweile steht sie bei fast 3 Euro pro MWh. Müsste THE die Speicher abermals auftanken, dürfte die Umlage erneut teurer werden.
Weshalb ist Gas derzeit so kostspielig?
Es bestehen unterschiedliche Aspekte, die den Gasmarkt momentan beeinträchtigen. So ist die EU extremer als jemals vorher von flüssigem Erdgas (LNG) abhängig – zumal die Gasleitungen, durch die von der Ukraine Gas aus Russland nach Europa geleitet wurde, geschlossen wurden.
Sicher ist LNG eine praktikable Option – problematisch ist bei dem Wechsel jedoch, dass es weltweit zu enorm turbulenten Preisen gehandelt wird.
Die Fortentwicklung wird durch den in manchen Ländern kalten Winter angeheizt. Er führt zu steigendem Bedarf, weswegen manche Händler erwarten, dass die LNG–Preise ebenfalls im Sommer noch teurer werden. „Der Markt probiert unermüdlich, ausreichend LNG zu beschaffen.
Das Preislevel weist auf einen Zuschlag für LNG-Füllungen nach Europa im Verhältnis zu Asien hin„, erklären Experten der norwegischen Bank DNB. Intelligente Kapitalanleger gesellen sich hinzu, informiert n-tv, die mit dem LNG-Preis spekulieren.
Folglich würden die Gaspreise auch von Investmentfonds befeuert, die auf sich erhöhende Preise wetten, so weiter im Bericht.
Industrie verlangt Wegfall der Speicherumlage
Die Unternehmen, die hauptsächlich von den Gaslieferungen abhängig sind und darum eine enorme Gasspeicherumlage entrichten müssen, sehen sich aus dem Grund einem Wettbewerbsnachteil ausgesetzt:
In sonstigen Ländern vergüteten die Gaskonsumenten (Inhaber von Gasheizungen) die Speicherausgaben saisonal für die Heizphase – jedoch nicht die Industrie, welche das Gas während des gesamten Jahres gebraucht und demzufolge die Umlage entrichten muss, rechtfertigen die Betroffenen.
Diese Erschwernis dürfte bewirken, dass Unternehmen ihre Erzeugung schrittweise in die Länder verlagern, in denen keine Gasumlage verlangt wird. Folglich würde für bedeutende Unternehmen Deutschland als Standort ständig unlukrativer.
Das Bundeswirtschaftsministerium erkennt die Schwierigkeiten, informiert das „Handelsblatt„. Das Ministerium setzt sich darum bei der EU dafür ein, die Richtlinien für die Befüllung der Speicher aufzuweichen. „Die EU-Kommission hat fest behauptet, diesen Missstand abzustellen.
Zusätzliche Anpassunfsfähigkeiten können bewirken, dass der Zwang, sämtliche Gasspeicher in gleichem Umfang aufzutanken, nachlässt und es zu einer Anpassung der Marktgegebenheiten führt„, betont das Handelsblatt.
Anfänliche Reaktionen aus Brüssel sind folglich vielversprechend. Des Weiteren wird ein Konzept erstellt, welches die Preisdifferenzen zwischen Sommer- und Wintergas abschwächen soll.
Das heißt, dass Händler ebenfalls im Laufe der Heizhase bis zu einem festgelegten Umfang noch billiges Erdgas anschaffen dürfen und das nicht in die Sommerzeit verschieben müssen.
Aufgrund dieser Fortentwicklung sollten Konsumenten ernsthaft ins Auge fassen, ihre Gasheizung durch eine optimalere und zukunftsorientierte Heizmöglichkeit zu ersetzen. Denn nicht allein die Preise für Erdgas dürften problematisch werden:
Ebenfalls sich erhöhende Netzentgelte und der vor der Tür stehende Wegfall der Gasversorgung in zahlreichen Städten sind bedeutende Argumente, die irgendwann mal jeden einzelnen ereilen könnten.
Derzeit bestehen demnach lediglich 2 Optionen: Geduld haben und spekulieren oder tätig werden und sich um eine andere Heizmöglichkeit* bemühen.
Genutzte Angaben:
spiegel.de „Wieso für den Sommer die Gaspreise klettern – und das Heizen im Winter teuer werden könnte“ (kostenpflichtig)
handelsblatt.com „Deutscher Industrie erwartet den nächsten Preisschock„
(Mit Angaben www.t-online.de/13.03.2025)