Wagnis Windows 10: Wirkliche Gefahr oder Angstmacherei?
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Microsoft hat angezeigt, ab Herbst sein Betriebssystem Windows 10 nicht mehr zu aktualisieren. Ausdrückliche Empfehlung: umsteigen auf Windows 11.
Wo das nicht funkioniert, muss ein neuer Rechner gekauft werden. Ist das nur reine Angstmacherei, um die Verkaufszahlen nach oben zu treiben?
Ein Betriebssystem zu schreiben, ist schon ein unfassbar aufwendiges Vorhaben. Dafür müssen mehrere Millionen Programmcode-Zeilen erstellt werden, erklärt Christian Dörr (Professor Cybersicherheit Hasso-Plattner-Institut).
Dabei nisten sich auch mehrere Fehler ein. „Wenn man das mal skaliert, sind das tatsächlich bis zu 100.000 Fehler, die in so einer Software vermutet werden„, so Dörr.
Eine Vielzahl derartiger Fehler beeinträchtigen nicht die Sicherheit. Manche aber doch. Dabei kann niemand benennen, wie viele das sind und wo sie sich eingenistet haben.
Wenn so eine latente Gefahr aufgespürt wird, ist unbedingt Eile geboten. Die Prodduzenten des Betriebssystems probieren, den gefundenen Schwachpunkt im Programmcode umzuprogrammieren. Und das so zügig wie nur möglich, bevor sich die Software-Schwachstelle herungesprochen hat.
Denn wenn Hacker das mitbekommen, geht das enorm rasch: Christian Dörr informiert, Cyberkriminelle könnten unter Zuhilfenahme von Künstlicher Intelligenz (KI) binnen 30 bis 40 Minuten das komplette Internet durchforsten.
Ohne Aktualisiserungen sind Hacker nicht zu stoppen
Anders ausgedrückt: Währenddessen werden sämtliche Rechner im Netz ausgetestet, ob sie die akuell aufdeckekte Software–Lücke besitzen. PCs, bei denen das zutrifft, werden unverzüglich mit Malware (Schadprogramme) angesteckt und sind in einem Worst-Case-Szenario danach nicht mehr verwendbar.
Wenn Microsoft nun bei Windows 10 keine Aktualisierungen mehr erstellt, dann werden Cyber-Kriminelle bei jeder neu auftretenden Software-Lücke im Betriebssystem immer die Nase vorn haben. Da ist ja keiner, der sie stoppen könnte!
Als vor mehreren Jahren die Anzeigetafeln der Züge leer blieben
Ein Paradebeispiel für eine derartige Hacker-Attacke ist Wannacry (externer Link). Dieser Virus hat sich 2017 auf 100.000 PCs eingenistet. Rechner mit den Betriebssystemen Windows 7 und Windows XP waren betroffen.
In Deutschland erwischte der Cyber-Angriff auch die Deutsche Bahn. An den Bahnstationen blieben die Anzeigetafeln der Züge leer. Außerdem konnten in England zahlreiche Kliniken nur noch eingeschränkt tätig sein.
So belegt dieses Beispiel: Die ausrückliche Empfehlung, kein veraltetes Betriebssystem mehr zu nutzen, ist keine gekünstelte Angstmacherei.
Es ist kaum machbar, zuverlässige Vorhersagen zu machen, wie hoch bei Winsows 10 die Wahrscheinlichkeit sein könnte, von Hackern ins Visier genommen zu werden.
Keiner kann sagen, wie viele Software-Pannen weiterhin in der demnächt endenden Windows-10-Version vesteckt sind.

PC besser vom Internet nehmen
Sollte man sich besser keine gratis Software von unterschiedlichen Anbietern mehr downloaden. Und was dann? Was kann ich denn mit meinem veralteten Rechner noch anfangen?
Kurz und knapp: nur wenig. Jeder PC, der am Internet angebunden ist, kann generell Opfer von Cyber–Attacken werden.
Manchmal genügt es schon, auf eine Seite zu gelangen, damit ein Schadprogramm installiert wird. Derartige Attacken, bei denen nicht mal an irgendeiner Stelle ein Mouse-Klick erforderlich ist, nennen Spezialisten Zero Click Attack.
Ganz gut geschützt ist man mit einem veralteten Windows-Betriebssystem nur, wenn man den Rechner dauerhaft vom Internet abtrennt und nur dann als „ideale Schreibmaschine“ verwendet.
Nutzt ein Virenschutzprogramm?
Bei veralteten Betriebssystemen liefert bedauerlicherweise auch ein Virenscanner keinen tatsächlichen Schutz. So informiert Jan Schüßler, Sicherheitsexperte bei der Computerzeitschrift „c’t“, ein derartiges Virenschutzprogramm leiste was völlig anderes als eine Aktualisierung von Microsoft.
Eventuell lässt sich das mit einem Türsteher in einer Disco vergleichen. Der soll speziellen Personen den Eintritt verwehren, jedoch kann er nicht unterbinden, dass sich nicht willkommene Leute durch den Nebeneingang reinschmuggeln, wenn der nicht blockiert ist.
Wer nach wie vor Windows nutzen will, für den ist die Anschaffung von Windows 11 unumgänglich. Das ist schlecht, denn die neue Ausführung funktioniert auf zahlreichen veralteten PCs gar nicht. Sicherheits-Professor Christian Dörr dazu:
„Das Unangenehme dabei ist, dass wir in Deutschland Millionen von Computern entsorgen werden.“ Wer das nicht mitmachen will, der kann ein weiteres Betriebssystem aussuchen. Zahlreiche Linux-Ausführungen seien mittlerweile eine in der Tat ideale Option, erklärt Dörr.
(Mit Angaben www.br.de/nachrichten/17.01.2025)
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